Die_Drei_Schulzes

Meine lieben Kameraden, meine Freunde, mein Bruder, mein Vater,

In meiner persönlichen Laufbahn ergibt es sich, dass ich bedingt u.a. durch einen Wohnortwechsel aus der Feuerwehr austrete. Meinen Austritt aus der Freiwilligen Feuerwehr Oderwitz, Ortsfeuerwehr Oberoderwitz möchte ich im Rahmen der Jahreshauptversammlung zum Anlass nehmen, noch einige Worte an Euch zu richten.

Es ist jetzt fast 15 Jahre her, dass ich in die Feuerwehr eingetreten bin. Für mich ist das nicht einfach nur eine Institution, bei der ich regelmäßig Termine wahrgenommen habe. Ich bin regelrecht hineingewachsen. Es hat nicht nur meine Entwicklung beeinflusst, sondern die Feuerwehr, DIESE Feuerwehr war ein Teil meines Lebens. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich der werde, der ich heute bin.

Schon jetzt merke ich oft, wie viel mir die Zeit in der Feuerwehr für das tägliche Leben mitgegeben hat. Nicht nur das reine Wissen z.B. um Knoten, was mir beim Klettern hilft, sondern auch größere Konzepte und Zusammenhänge, wie das Verstehen von Naturphänomenen, dem Feuer oder dem Wasser haben sich in meinem Kopf zu einem Großen und Ganzen geformt.

Vor allem aber sind es generelle Einstellungen und Sichtweisen, die mir die Feuerwehr mitgegeben hat. Was anderen keineswegs helfen würde, sondern ihnen nur noch mehr den Puls in die Höhe treibt, bringt mir Sicherheit: „Stell’ dir einfach vor, es wäre ein Feuerwehreinsatz!“, habe ich schon oft zu mir selbst gesagt, wann immer es wichtig ist, einen kühlen Kopf zu bewahren, trotzdem die Zeit drängt, der Handlungsspielraum begrenzt ist und es vielleicht sogar gilt, mit einer Art von Gefahr zurecht zu kommen. Ich werde mich im Geiste immer wieder in jene Situationen zurückversetzen, in denen genau die gleichen Konditionen herrschten: Nachts um drei, auf dem LF, nicht genau zu wissen was ist oder was kommt. Aber genau zu wissen, dass genau diese Konditionen dabei helfen, Unwichtiges ausblenden zu können und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das gibt mir Sicherheit und lässt, auch wenn ich beim Einsatz selber alles andere als ruhig war, meinen Puls in solchen Situationen meines Alltags ruhiger werden und mich die Dinge klar sehen.

Und dann wäre da noch die Sache mit der Kameradschaft, die mir ein Schlusswort sein soll. Ich kann nicht beschreiben, was Kameradschaft für mich ist, aber ich kann beschreiben, was sie für mich nicht ist. Sie kann sich nicht entwicklen, sie ist einfach da. Sie lässt sich nicht heraufbeschwören, ist nicht einfach nur ein Gefühl. Sie ist keine Zusammengehörigkeit, keine Freundschaft, keine Liebe. Aber ist sie einmal da, bleibt sie mir für immer, auch wenn man geht.

 

Nachgedanken

Noch immer bin ich den Tränen nahe, wenn ich an die Worte denke, die ich am Freitag (26.2.2016) verlesen habe. Es wird mir mein Herz noch eine ganze Weile, vielleicht und hoffentlich für immer, mit Wehmut, Stolz, Ehrgefühl und noch so vielen anderen Gefühlen füllen, wenn ich an die Zeit zurück denke und daran, dass ich ein Kapitel meines Lebens und einen Teil von mir, damit geschlossen habe.

Ich möchte mich damit nicht herausheben, aber ich denke, meine Worte verdienen, auch über den Rahmen der Jahreshauptversammlung hinaus Verbreitung zu finden, deshalb ist es Euch allen erlaubt, sie, auch in Auszügen, weiterzugeben, egal in welcher Form. Es wäre mir eine Ehre.

 

mit kameradschaftlichen Grüßen

Willi Schulze